31 Aug

Über “Gezeichnet fürs Leben”

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Die Sammlung Schirm – Kunstbegeisterung als Fundament

Ich freue mich außerordentlich meine erste Sammlungsausstellung in der Galerie ROOT verwirklichen zu können und danke Frau Wöllmann für ihre umfangreiche Unterstützung.

Wenn man sich meine doch recht junge Sammlung ansieht, fällt auf, dass sie neben den zeitgenössischen Arbeiten eine stattliche Anzahl von Werken aus dem 19. Jahrhundert umfasst. Dies ist meinem Urgroßvater und seinen Malerkollegen zu verdanken, die sich dem klassischen Realismus widmeten. In der Sammlung bemühe ich mich sein Werk zusammenzutragen, seinen Nachlass zu verwalten und zu ergänzen. Sein Andenken und kunsthistorische Wertschätzung seines Lebens als Landschaftsmaler sind mir eine Herzensangelegenheit.

Die Kunstbegeisterung in mir überschreitet mühelos die Grenzen von Stilrichtungen und Epochen, von Werkstoffen und Arbeitsmaterialien, von Medien und Methoden. So finden sich in der Sammlung neben Gemälden auch komplexe technische Installationen, Fotografien, Drucke, Zeichnungen, Videoarbeiten, skulpturale Objekte.

Unter den Zeitgenossen finde ich das Werk des Berliner Künstlers Wolfgang Petrick so spannend, dass ich mich entschieden habe diesen Künstler in die Tiefe zu sammeln. Ich besitze inzwischen mit ca. 200 Werken die weltweit größte und vollständigste Sammlung von seinen Werken (vor allem) aus den 1960ern und 1970ern. Die Ausstellung in der Galerie ROOT zeigt 6 großformatige Zeichnungen auf Papier aus dieser Schaffensperiode und bietet Gelegenheit für ein Künstlergespräch mit Wolfgang Petrick, auf das ich mich sehr freue.

Ich verfolge „meine“ Künstler und ihr Schaffen über viele Jahre, kenne ihre Schaffenswut und – krisen, ihre Obsessionen und bin ihnen und ihren Galeristen freundschaftlich verbunden. An der Entwicklung eines Werkes, an dem Weg, den einer geht, interessiert, bin ich als Sammler ein Wegbegleiter, ein Förderer, Netzwerker, Zuhörer, und nicht zuletzt ein Ratgeber.

„Gezeichnet fürs Leben“, der Titel dieser Sammlungs-Schau soll die Ernsthaftigkeit und Authentizität der Zeichnung als Werk und Wegstein in der Weiterentwicklung des Lebenswerkes der Künstlerin/des Künstlers widerspiegeln. Manchmal werden die Zeichnungen nur als Skizzen für das eigentliche Werk benutzt, immer jedoch tragen sie am direktesten die Handschrift des Schöpfers und sind damit ein unverhüllter Ausdruck seiner Lebenssituation.

Olaf Schirm im August 2015

 

Die Sammlung Schirm zu Gast in der Galerie ROOT

Parallel zur Ausstellung „Studentinnen und Studenten der Akademie für Malerei stellen aus“ und den Tagen der Offenen Tür vom 1.9. – 13.9.2015 an der Akademie präsentiert die Galerie ROOT die Ausstellung „Sammlung Schirm @ ROOT – Gezeichnet fürs Leben“.

Olaf E. Schirm zeigt zum ersten Mal einen Teil seiner mehr als 300 gesammelten Werke umfassenden Sammlung in der Öffentlichkeit. Ich freue mich, dass die Wahl für seine erste Sammlungsschau dabei auf die Galerie ROOT gefallen ist!

Nach eingehender Sichtung der Sammlung war es die Zeichnung, bzw. waren es die grafischen Aspekte, um die herum sich eine spannende Ausstellung aufbauen ließ. So konnte der zeitliche Bogen von 1825 bis heute gespannt und die unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkte und somit auch so verschiedene Künstler wie Gude und Petrick, wie auch so verschiedene Kunststile und –richtungen miteinander verbunden werden.

Diese Ausstellung würdigt das 10-jährige Bestehen der Akademie für Malerei Berlin und die 5-jährige Geschichte der Galerie ROOT, die die Tradition der Produzentengalerie ROOT am Savignyplatz fortführt! Den Sammler Olaf E. Schirm und mich verbindet sowohl über die Akademie wie auch über die Galerie eine langjährige Beziehung. Sie begann mit dem Ankauf einer Arbeit von Silke Bachmann (geboren 1971 in Leipzig, 2009 – 2014 Studium an der Akademie für Malerei Berlin, Meisterschülerin von Ute Wöllmann, lebt und arbeitet in München) , damals noch Studentin am Anfang ihres Hauptstudiums, aus der jährlich stattfindenden Ausstellung der Studentinnen und Studenten im Jahr 2010 und wurde mit dem Ankauf der Arbeit von Silke Katharina Hahn (geboren 1968 in Bad Hersfeld, 2006 – 2011 Studium an der Akademie für Malerei Berlin, Meisterschülerin von Ute Wöllmann, lebt und arbeitet in Berlin) aus ihrer Meisterschülerausstellung 2011 fortgeführt. Dieser Kauf führte ihn zur mianki.gallery, wo 2015 auch Arbeiten der Akademie-Absolventin Claudia Kallscheuer (geboren 1967 in Waiblingen, 2005 – 2009 Studium an der Akademie für Malerei Berlin, Meisterschülerin von Andreas Amrhein, lebt und arbeitet in Berlin) den Weg in seine Sammlung fanden, wie auch im selben Jahr Arbeiten von Yi Zheng Lin (geboren 1962 in Fuzhou Fujian, China, lebt und arbeitet in Köln) aus der Ausstellung „Veriditas“ in der Galerie ROOT.

Dies zeichnet ein Bild von Olaf E. Schirm als einen Sammler, der nicht nur die etablierten Positionen eines Jonas Burgert oder David Schnell sammelt, sondern auch sehr aufgeschlossen und mutig auf der Suche nach ungewöhnlichen Positionen Arbeiten von noch unbekannten Studentinnen und Studenten der UdK Berlin und der Akademie für Malerei Berlin kauft und dabei immer nur seinem eigenen Urteil und seinen eigenen Maßstäben folgt. Er sagt selbst: „Die Sammlung ist – wie auch ich selbst – im stetigen Wandel, deswegen fokussiere ich den Schwerpunkt immer wieder neu.“

Ute Wöllmann im August 2015